Lehrkräfte und Schüler:innen stehen im Schulalltag ständig unter Stress. Was sind die Auslöser und welche Folgen haben Stress, Angst und Sorgen für Gesundheit und Wohlbefinden? Wie können alle Beteiligten dennoch leistungsfähig sein, Kreativität und Persönlichkeit entfalten und Schulentwicklung betreiben?

In diesem Community-Buchbeitrag beleuchten die Autoren Susanne Braun-Speck und Niels Winkelmann ab Seite 31 die Ursachen für Stress, Angst und Sorgen und nennen Lösungsansätze und Ideen, was geändert werden kann. Das erste Feedback dazu kam von einer Schulleiterin: “Toller Artikel, den Ihr geschrieben habt! Genau das ist die Situation, die ich ebenfalls wahrnehme, besonders auch an beruflichen Schulen. Gerade Freitag haben wir über die Notwendigkeit der Verstärkung von Schulsozialarbeit, Coaching und Beratung an Berufsbildenden Schulen gesprochen.” :-)

Wer diesen Beitrag im Zusammenhang lesen möchte, kann sich das Community-Buch (geschrieben von 19 Autoren) kostenfrei als PDF herunterladen und zwar hier. Als E-Book ist es auf Amazon zum kleinen Preis verfügbar.

Direkt lesen? Geht auch, siehe unten, aber ohne Statistiken und weitere Bilder.


Über die Autoren des hier genannten Beitrages:

Susanne Braun-Speck ist Referentin für digitale Bildung, Vereinsvorstand und -Projektleiterin, sowie Content- & Webentwicklerin, Autorin – aus SH. Seit 1996 bewegt sie sich in der IT- & Medien-Branche, seit 2011 im Schulumfeld, und bringt entsprechend eine große Bandbreite an Erfahrungen mit.

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Niels Winkelmann ist Lehrer für katholische Religion, Deutsch und Mathematik sowie WPK / Seminarfach Medien an einem niedersächsischen Gymnasium; Fachredaktionsleiter Religion bei wirlernenonline.de; Ersteller von Kursen für das NLQ. Und auch Autor des Buchbeitrages “Persönlichkeitsbildung”

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Beitragstext “Stress, Angst und Sorgen im Schulalltag”

Lehrkräfte und Schüler:innen stehen im Schulalltag ständig unter Stress. Was sind die Auslöser und welche Folgen haben Stress, Angst und Sorgen für Gesundheit und Wohlbefinden? Wie können alle Beteiligten dennoch leistungsfähig sein, Kreativität und Persönlichkeit entfalten und Schulentwicklung betreiben? In diesem Beitrag haben wir Ursachen beleuchtet sowie Lösungsansätze und Ideen genannt.

Positiver Stress setzt Kräfte frei!

Bei positivem Stress sind wir in Fahrt, hochmotiviert und haben ein Ziel vor Augen, das einen tieferen Sinn hat oder einfach Spaß macht. Positiver Stress beflügelt und lässt uns Unglaubliches vollbringen. Er treibt uns an, lässt uns Hürden überspringen, setzt Endorphine frei und hochbegabte Köpfe strahlen – positive Herausforderungen machen Freude!

Bei Vielen von uns (Lehrkräften, Schüler:innen und Eltern) ist der Alltag aber von negativem Stress, Angst und Sorgen geprägt. Die Ursachen sind sehr individuell und lassen sich nicht einfach durch Yoga oder andere Entspannungs-Methoden auflösen. Tatsächlich ist der Rat, sich zu entspannen, oft kontraproduktiv, weil er suggeriert, Stress sei nur mit Verhaltensänderung zu lösen. Dabei gibt es jeden Tag systemisch-bedingte Stressauslöser. Entspannung kann Resilienz steigern, packt das Problem aber nicht an der Wurzel. Wir müssen die Perspektive ändern:

Symptome behandeln ist oberflächlich und bringt wenig. Die Ursachen müssen angegangen werden.

Stress macht krank und mindert die Leistungsfähigkeit.

Positiver Stress, aber auch sporadischer negativer Stress ist normal und völlig unproblematisch. Eine dauerhafte Überlastung mindert aber nicht nur die Lebensqualität, sondern kann unsere Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen.

Der Begriff „Stress“ beschreibt, laut Statista.com und der Techniker Krankenkasse, eine natürliche und evolutionär bedingte Reaktion des Menschen auf Bedrohungssituationen. Um einer gefährlichen Lage zu entkommen schüttet der menschliche Körper Stresshormone aus, die kurzfristig die körperliche Leistungsfähigkeit erhöhen, um auf Gefahren für das eigene Leben durch Kampf oder Flucht reagieren zu können.

Im modernen Alltagsleben sind Kampf und Flucht jedoch höchst selten akzeptable Verhaltensweisen. Die Menschen können in schulischen Situationen auch schlichtweg nicht fliehen – sie müssen aufgrund der Schulpflicht oder des Arbeitsrechts diese Situationen aushalten, ob sie wollen oder nicht. Daher reagieren sie oft mit Reizbarkeit, sind launisch, aggressiv oder „kämpfen“, wenn auch überwiegend verbal – auch gegeneinander oder nach unten innerhalb der Hierarchie.

Die Folgen von Stress sind vor allem Schlafprobleme, Müdigkeit und eine entsprechend geminderte Leistungsfähigkeit aller Beteiligten. Für Schüler:innen bedeutet das insbesondere schlechte Noten – was den Druck noch mehr erhöht. Burnouts und Depressionen entwickeln sich oft schleichend. Einige Betroffene reagieren mit Hautausschlägen auf Stress; andere bekommen regelmäßig grippale Infekte, Bauchschmerzen oder Magen-Darmprobleme. Stresshormone, die vermehrt ausgeschüttet werden, schaden auf Dauer dem Herz-Kreislauf-System, weshalb vor allem Blutdruck und Schlaganfallrisiko steigen.

Der Dauerstress von Lehrkräften wird häufig thematisiert. Der Druck auf Schüler wird dagegen unterschätzt und seltener erwähnt. Fakt ist aber: „Unser Körper reagiert in einer Prüfungssituation prinzipiell genauso wie unter Lebensgefahr“, erklärte Veronika Engert, Leiterin der kürzlich am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) gestarteten Forschungsgruppe „Psychosozialer Stress und Familiengesundheit“. Die Nebennieren schütten dann verstärkt Adrenalin und das Stresshormon Kortisol aus – damit wird klar, warum selbst die begabtesten Schüler:innen oft keine guten Noten abliefern können. Angst und Stress hemmen ihre Leistungsfähigkeit!

Circa 50% der Lehrkräfte & Schüler:innen haben Stresssymptome.

Bereits 2017 litten, laut einer DAK-Studie, 47% der Schüler:innen unter Stress. Durch die Corona-Pandemie nahm der Stress nochmal erheblich zu, insbesondere aber auch Erkrankungen wie Depressionen. Aktuell löst der Ukraine-Krieg vermehrt Angst aus und erhöht den emotionalen Stress.

Laut dem Schulbarometer und der Robert-Bosch-Stiftung litten die Lehrkräfte im Frühjahr 2022 unter körperlicher Erschöpfung (62%); etwa die Hälfte nennt als weitere Beschwerden mentale Erschöpfung (46%), innere Unruhe (45%) sowie Nacken und Rückenschmerzen (43%).

Stressfaktoren und Angstauslöser in Schulen gibt es viele.

Der sehr lebendige Alltag in der Schule; Lehrpläne und zusätzliche Termine, die einzuhalten sind; der Lautstärkepegel in Klassenzimmern, Stress mit Pubertierenden oder durch Personalmangel; Mobbing und Feindschaften untereinander; besondere Herausforderungen durch (inter-) nationale Krisen; unzählige Kontaktpunkte und Projekte; Entscheidungen im Sekundentakt – all das löst Stress, Angst und Sorgen aus!

Stress entsteht von morgens bis abends durch unzählige Touchpoints in der Schule, aber auch vor und nach dem Unterricht.

Im Marketing werden „Touchpoints“ genutzt, um Kontakt zu (potentiellen) Kunden oder Bewerbern herzustellen, um sie zu finden und anzuwerben, zu binden oder zu informieren – auch digital. Touchpoints in Schulen und nach dem Unterricht gibt es viele – sie werden so stark genutzt, dass sie regelmäßig Stress auslösen.

Alleine der Weg von einem Raum zum anderen, vom Lehrer- zum Klassenzimmer oder zu Fachräumen, besteht aus unzähligen Touchpoints. Besonders in den Unterrichtsräumen ist es oft chaotisch und laut; alle bewegen sich durcheinander. Ängstliche Kinder stehen dann mit dem Rücken zur Wand und wissen nicht, wie sie sich schützen sollen. Lehrkräfte werden ständig von Schüler:innen angesprochen – oder von Kolleg:innen, die „nur kurz mal“ Etwas besprechen möchten. Das stresst.

Auch im Lehrerzimmer gibt es keine Ruhe, nicht in der Mensa beim Essen, in den Klassenzimmern sowieso nicht. Pausen, die der Erholung dienen sollen, sind kaum möglich. Diese Lebendigkeit lieben einige Lehrkräfte und Schüler:innen besonders. Aber Menschen sind verschieden, nicht alle können das ertragen. Hochsensible Personen und Kinder mit ADHS oder anderen kognitiven Besonderheiten halten das kaum aus.

Auch nach dem Unterricht hört der Stress nicht auf. Die Arbeitszeit der Lehrkräfte und Schüler:innen (mit ihren Eltern) ist mit Unterrichtsschluss nicht zuende – es stehen Hausaufgaben und Projektarbeiten an; Klassenarbeiten müssen korrigiert, Elterngespräche geführt, an Weiterbildungen teilgenommen werden. Die Arbeitsbelastung ist beinahe stetig zu hoch und um die Arbeit zu erledigen, wird eigentlich Ruhe benötigt.

Doch: durch die digitalen Touchpoints ist der Stresspegel in den letzten Jahren noch einmal gestiegen.

Zu den Telefonaten mit Kolleg:innen, Projektanbietern oder Eltern sind unzählige E-Mails hinzugekommen, die kaum noch zu bewältigen sind. Weiterhin gibt es jetzt Lern-Management-Systeme, Messenger- und Chatgruppen, in denen digital kommuniziert wird. Insbesondere Messenger-Gruppen kennen weder Uhrzeit noch Stoppzeichen – hier wird oft wertvolle Zeit für sinnlose, nicht zielführende Themen verschwendet.

Diese vielzähligen, vor allem digitalen Kontaktpunkte lassen keinen Moment des Herunterkommens, des In-sich-Ruhens und geistigen Erholens zu. Tag für Tag.


Raumgröße, -klima und -akustik sind oft problematisch

Lehrer- und Klassenzimmer sind meistens viel zu klein und eng und bieten keinerlei Erholungsmöglichkeit. Rückzugsräume fehlen in der Regel vollständig. Die Bauten sind nicht akustisch gedämmt, der Lärmpegel entsprechend hoch, wodurch eine stetige Reizüberflutung herrscht.

Wenn also in zu kleinen Klassenzimmern sehr viele Individuen zu nah beisammen sitzen, entweder in stickiger Luft oder zu Corona-Zeiten wegen offener Fenster frierend, dann reicht das schlechte Raumklima schon, um Stress auszulösen.

Wenn dann noch der Flur zu eng ist (ein Fluchtweg für den Notfall, der laut Sicherheitsbestimmungen freizuhalten ist), um dort Jacken, Mäntel und Sportbeutel aufzuhängen, sind diese Stolperfallen im Klassenraum nicht nur eine Unfallgefahr, sondern auch Stressfaktor, da sicheres Bewegen unmöglich ist! Bedeutet: Jeder Gang vom Sitzplatz zur Tafel löst Stress aus.

Dazu kommt der Faktor „Mensch“, hier Kinder ab fünf, sechs Jahren, die gemeinsam für eine eindrucksvolle Geräuschkulisse sorgen können. In akustisch nicht gedämmten Klassenräumen kann es schon ohne absichtlich störende Schüler:innen belastend werden. Das ist natürlich auch eine Gewohnheitsfrage, mit der Zeit nehmen viele Menschen Umgebungsgeräusche weniger wahr. Aber grundsätzlich ist der Geräuschpegel in Schulen purer Stress – für Lehrkräfte und Schüler:innen. Geräuschempfindliche, hochsensible Menschen werden dadurch häufiger krank, da sie keine Möglichkeit haben, sich in der Schule davor zu schützen.

Wohlbefinden und damit eine entspannte Lern- und Lehr-Umgebung gibt es also schon aufgrund der architektonischen Bedingungen kaum.

Es gibt durchaus moderne Raumkonzepte, die zeigen, dass es anders geht, dass in Schule eine sinnhafte Innenarchitektur möglich ist. Groß, modern, hell und luftig, mit Lerninseln und Chill-Ecken – welch ein Traum! Der Raum als dritter Pädagoge wird spürbar, heißt es in einem Blogbeitrag der Bundeszentrale für politische Bildung. Digitale Endgeräte? Ja, auch die gehören in ein modernes Klassenzimmer, sodass der digitale Raum als „vierter Pädagoge“ wirksam werden kann.

An dieser Stelle mal bemerkt: Zwar streiten sich die Experten darüber, ob Mobilfunk, WLAN, etc. der Gesundheit schaden oder nicht – die Industrie verneint das natürlich. Aber: Die unmittelbare Nähe zu elektronischen Geräten kann Kopfschmerzen sowie Konzentrationsmangel auslösen und Menschen reizbar machen. Router und WLAN-Verstärker müssen nicht in Klassenzimmern stehen. Bisweilen sitzen Schüler aber direkt vor dem Router oder Verstärker, dabei wird ein Mindestabstand von 1,5 Metern empfohlen. Mehr dazu im Blogbeitrag: https://media4schools.de/wlan-klassenzimmer/


Schulalltage sind für alle Beteiligten sehr stressig.

Besonders verbeamtete Lehrkräfte sind in einer sicheren beruflichen Situation und müssen keine Angst vor Jobverlust haben. Dennoch können einige ihren Arbeitsalltag kaum ertragen, da sie im Minutentakt auf ihr Umfeld reagieren müssen.

Ständig Entscheidungen treffen zu müssen und Unvorhersehbarkeiten zu begegnen, ist psychischer Stress!

Jede Handlung, die nicht auf einer Routine basiert, erfordert eine Entscheidung, wofür unser Gehirn arbeiten muss. Vielleicht ist es deswegen auch so, dass Lehrkräfte dazu neigen, dozierend vor Klassen zu stehen. Beim Frontalunterricht können sie einer Routine nachgehen, die sie einfach nur abspulen. Routinen sind dazu da, Abläufe und Prozesse auf menschliche Art und Weise zu automatisieren und damit zu vereinfachen. Schon lange (2006) spricht Herbert Gudjons, Professor an der Universität Hamburg, Fakultät Erziehungswissenschaft, daher von der „Lehrerbedürfnis-Befriedigung“, da der Lehrervortrag als Teil des Frontalunterrichts vor allem das Sicherheitsbedürfnis der Lehrenden befriedigt. „Frontalunterricht macht vor allem den Lehrern Spaß“, führt Gudjons aus, und ist in der Breite oft noch die zentrale Unterrichtsform.

Das, obwohl in Fachkreisen nach der Hattie-Studie der Wert von Frontalunterricht und direkter Instruktion neu diskutiert wurde und wird (siehe Beitrag auf Deutschlandfunk.de). So zeigt besonders der Umgang mit Heterogenität, dass Frontalunterricht im Gleichschritt Lernenden immer weniger gerecht wird.

Ein konstruktiver Umfang mit Heterogenität […] erfordert neue Lernformen und eine Abkehr vom Frontalunterricht!

Vor allem leiden Schüler:innen im Frontalunterricht! Es ist eine regelrechte Qual für Kinder und Jugendliche, Stunde um Stunde, 5 Tage in der Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, zum Stillsitzen und Zuhören gezwungen zu werden, wenn vorne Lehrkräfte stehen, die routiniert strikt nach Lehrplan vorgehen. Dozierenden zuhören zu müssen (auch an der Uni) ist ermüdend (siehe MDR-Beitrag) und deswegen schwer zu ertragen. Und was schwer zu ertragen ist, stresst!

Es ist purer Stress, als Grundschüler noch den angeborenen Bewegungsdrang von Kindern zu haben, der unterdrückt werden muss. Daran, dass Schüler:innen still und ruhig am Platz sitzen und zuhören, arbeiten Lehrkräfte unaufhörlich – was sie natürlich auch stresst. Regelmäßiges Ermahnen stresst alle Beteiligten und stört den Unterrichtsablauf.

Kinder sind voller Bewegungsdrang und das ist gut so!

Bewegung ist gesund und in einer digitalen Gesellschaft, in der viele Kinder nachmittags nicht mehr auf den Spielplatz gehen oder in den Wald laufen, sondern am Handy oder PC daddeln, ist Bewegungsförderung ein Muss. Wie viel schöner wäre das Schulleben, wenn Lehrkräfte ihren Schüler:innen den Freiraum geben könnten, sich genug bewegen zu können und selbst aktiv zu sein?

Bewegung baut Stress ab und fördert die Konzentration!

Durch Bewegung und Sport werden Stresshormone wieder abgebaut, es gelangt mehr Sauerstoff in die Zellen und der Stoffwechsel kommt in Fahrt. Während auch Blutzucker und Blutfette weniger werden, steigt die Produktion von Glückshormonen insbesondere Endorphin und Serotonin. Glückliche Schüler:innen zu haben, wie wäre das?

Auch hierbei kann Bewegung helfen: Da sind noch die lauten und in einigen Jahrgängen (pubertätsbedingt) besonders frechen Schüler:innen, die den Lehrkräften und entspannteren Klassenkameraden:innen fast jeden Schultag zur Hölle machen. Sich untereinander Streiten, Lehrkräfte provozieren und herabwürdigen, herumlaufen, am Handy oder sogar mit einem Feuerzeug spielen – was ist noch so Alltag im Klassenzimmer? Was sind weitere kleine Übel, die den Unterricht für alle zur Qual machen? Bewegung macht Freude, baut Testosteron bei Pubertierenden sowie Stress ab, und fördert die Konzentration.

Wenn wir wissen, dass das Konzentrationsvermögen bei Kindern bei 10 bis 20 Minuten liegt; bei 16- bis 18jährigen bei 30 Minuten – warum handeln wir anders und fordern täglich von Schüler:innen, dass sie sich stundenlang konzentrieren?

Doch es gibt noch viel mehr Stress- und Angstfaktoren…

Lehrpläne zwingen Lehrkräfte dazu, den Stoff durchzuziehen und sich selbst und ihren Schüler:innen ständig Druck zu machen. Dabei verursachen sie nicht nur Stress und Angst, sondern rauben den Schüler:innen auch ihre Kreativität, den Raum zum freien Denken.

Natürlich setzen die Vorgaben von außen ebenso wie vorgegebene Termine die Lehrkräfte unter Druck. Und es gibt auch Menschen, die ein wenig Druck brauchen, damit sie überhaupt etwas leisten und nicht nur ziellos durch den Alltag trudeln. Zudem leben wir in einer Leistungsgesellschaft, in der wir „abliefern“ müssen. Aber muss das sein? Durch unsere digitale Lebens- und Arbeitswelt sowie ständige Veränderungen ist unser Leben sehr komplex geworden und die alltägliche Informationsflut überreizt uns. Uns – alle Beteiligten im Schulumfeld!

Doch einige Stressfaktoren sind hausgemacht: Es muss doch nicht sein, dass Schüler:innen auch am Wochenende Hausaufgaben erledigen, eine Arbeit direkt am Montag schreiben oder den Sonntag brauchen, um die Projektarbeiten zu erledigen!? Wir wissen doch, dass Freiraum, Freizeit und Erholung wichtig sind, um leistungsfähig sein zu können.

Kurzum: Lehrkräfte können durch gut durchdachte Terminierung für Klassen- und Projektarbeiten sowie Hausaufgaben, den Druck und Stress bei Schüler:innen mindern. Sie werden es ihren Lehrkräften danken!

Ja und dann gibt es noch Stressfaktoren, über die wenig gesprochen wird:

Mobbing und Feindschaften untereinander.

Mobbing sind Handlungen mit bösen Absichten, die vorsätzlich durch einen oder mehrere Personen gegen einen Menschen gerichtet sind. Beim Mobbing gibt es mindestens einen Täter, ein Opfer, die Mitläufer und den Rest der Gruppe. Das Opfer ist meistens eine einzelne Person, die sich nicht dagegen wehren kann.

Während Erwachsene aus Missgunst und Neid, oder weil sie einfach jemanden nicht leiden können, gezielt schlecht über Kollegen reden, sie verleumden und mobben, werden Kinder verbal ausfällig und grenzen Andere aus, weil sie nicht darüber nachdenken; weil sie nicht wissen, was das anrichtet; weil niemand Stopp ruft und eingreift.

An anderen Stellen in diesem Buch ist darüber umfangreich geschrieben worden – hier findet ihr wichtige Anregungen. Holt euch externe Anbieter ins Haus, falls diese Situationen euch und eure Ressourcen überfordern. Aber lasst es nicht auf sich beruhen, wenn Schüler:innen von anderen ausgegrenzt und gemobbt werden. Hört zu, macht die Augen auf, seht, was passiert und was so ein unsoziales Verhalten aus Eurem Kollegium und den Schüler:innen, minderjährigen Schutzbefohlenen, macht.

Schulentwicklung sollte mit Teamentwicklung anfangen.

„Vormachen – Nachmachen“ ist die einfachste Methode des Lehrens und Lernens, entsprechend sollten Lehrkräfte und Schulleitungen mit gutem Beispiel vorangehen:

Ein Kollegium, das in zwei Lager geteilt ist und sich gegenseitig bekämpft, ist ein enormer Stressfaktor. Lehrkräfte müssen keine Einzelkämpfer sein. Auch muss keine Schulleitung alleine da stehen. Personalführung und Teamleitung sind in Fortbildungen und Coachings lernbar. Jedes Kollegium möchte ein gutes Miteinander, auch wenn der Weg dorthin bisweilen lang ist. Kollegium und Schulleitung haben als Team auf Augenhöhe Vorbildfunktion. Die ganze Schulgemeinschaft muss zusammen daran arbeiten, dass der Schulalltag weniger stressig und angstauslösend ist.

Gemeinschaft macht uns stark und stressresistent. Alle.

Wie schön wäre es, wenn bei inhaltlichen Auseinandersetzungen alle sachlich bleiben und zielorientiert an Lösungen arbeiten würden? Anstatt persönlich zu werden? Wie wäre es mit einer positiven Streitkultur?

Wie gut würden sich Schüler:innen und Eltern fühlen, wenn sie wirklich und tatsächlich, und nicht nur scheinbar, an Veränderungen beteiligt wären? Ja, es gibt Schulen, welche echte Kooperation auf allen Ebenen leben. Aber oft werden Schüler:innen nicht mehr als unbedingt notwendig involviert und Eltern als Gegenspieler betrachtet. Das sorgt für Stress und Angst.

Wir Lehrkräften sollten uns immer wieder bewusst machen, dass viele Schüler:innen und Eltern Angst davor haben, Kritik zu üben oder auch nur Vorschläge für Veränderungen zu machen. Sie haben Angst vor den Folgen: vor Diskriminierung ihrer Kinder und schlechten Noten.

Stress, Angst und Sorgen durch Mobbing, Hass und Hetze können durch eine Teamarbeit auf allen Ebenen vermieden werden!

Worüber noch gesprochen werden muss, ist der Personalmangel sowie die besondere Herausforderungen durch äußerliche Faktoren

Was haben die Ereignisse der letzten 3 Jahre für Stress, Angst und Sorgen ausgelöst?

Es gibt immer wieder Zeiten, in denen alle Beteiligten, Lehrkräfte und Schulleitungen, Schüler und Schülerinnen, sowie deren Eltern neuen Herausforderungen gegenüberstehen, die sie selbst nicht ausgelöst oder forciert haben. Corona kam beispielsweise völlig unerwartet und löste neuartige Probleme aus, die ein Höchstmaß an Kreativität und Lösungskompetenz erforderte sowie den Willen und die Offenheit für Neues – für digitale Bildung.

Plötzlich funktionierte keine Routine mehr – nichts war mehr wie vorher. Der bekannte Schulalltag blieb aus; es gab Lockdowns, welche den Kindern und Jugendlichen ihren gewohnten Tagesablauf nahmen; dafür sorgten, dass sie oft monatelang alleine vor Bildschirmen in ihrem Kinderzimmer saßen, wo viele depressiv und übergewichtig wurden. Lehrkräfte hatten kein „Rezept“ dagegen, ihre wohl bekannten Routinen nutzen hier nichts. In ihrem eigenem Stress konnten sie den Problemen durch „Lockdowns“ und „Corona-Regeln“ kaum pädagogisch wertvoll begegnen und/oder bemerkten viel zu spät, was all das für Schüler:innen auch emotional bedeutete.

Wer hat sich denn am Anfang darüber Gedanken machen können, als alle Beteiligten an technischen, strukturellen und organisatorischen Lösungen arbeiten mussten, um Homeschooling zu ermöglichen? Wer hat rechtzeitig bemerkt, welche Angst manche Kinder durch Corona hatten und wie Jugendliche unter dem Alleinsein zuhause litten?

2022 wurden die Folgen statistisch erfasst und ausgewertet. Die Corona-Lockdowns waren Stress, Angst und Sorgen pur, die negativen Folgen wirken auf Jahre!

Musste es so kommen? Oder hätte mehr Teamarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern das besser machen können?

Es ist absolut unverständlich, dass nicht in jeder Schule die Eltern mit Berufen im Technik-, Informatik- oder Medienumfeld sofort einbezogen wurden. Sie hätten viel mit ihrem Knowhow helfen können; sie hätten Unterricht auf Distanz deutlich erleichtern und stressfreier mitgestalten können. Aber ihr Knowhow wurde nicht abgefragt und sehr selten eingeladen, an Lösungen mitzuarbeiten oder durch Weiterbildungen zu helfen.


Fachleute aus der Elternschaft in die Schulen zu holen, senkt den Stress und verbindet.

Jetzt aktuell (Winter 2022/23) haben wir an den Schulen hunderttausende Schüler:innen, welche mit ihren Eltern vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind. Sie fühlen sich oft nicht wohl in dem für sie fremden Land; einige sind traumatisiert, haben Schlimmes gesehen oder selbst erlebt; viele leben in Gemeinschaftsunterkünften und habe keine eigenen „vier Wände“. Diese Schüler:innen sind oft voller Angst und Sorgen (um ihre Familienmitglieder, die in der Ukraine geblieben sind; ihre Zukunft) und empfinden ihre aktuelle Lebenssituation als stressig.

In der Schule sollen sie nun aber, wie alle anderen, funktionieren und sich eingliedern. Das ist aber insbesondere wegen der Sprachbarriere wirklich schwierig. Genauso ist es schwierig für Lehrkräfte, Schüler:innen mit Deutsch als Zweitsprache (sofern sie überhaupt schon ein Wort Deutsch sprechen) einzubinden und zu lehren.

Nicht nur ukrainische Geflüchtete sorgen für Herausforderungen und Stress im Schulalltag, sondern natürlich auch all die anderen Kinder und Jugendlichen, die verschiedenste Sprachen sprechen.

Hier gibt es technische Lösungen, die helfen können. Einige ukrainische Schüler:innen sitzen in Klassenräumen und nehmen dort über digitale Endgeräte am ukrainischen Distanzunterricht teil. Diese werden den ukrainischen Schulabschluss machen, nicht den Deutschen. Nach diesem Distanz-Unterricht müssen die Schüler aber zu den DAZ-Kursen gehen und Deutsch lernen. Andere nutzen im Unterricht phasenweise Übersetzungs-Apps, um Texte zu verstehen und eigene Beiträge zu gestalten. Schritt für Schritt nehmen sie mehr auf Deutsch am Unterricht teil.

Für andere Lösungen brauchen wir mehr Personal und kleinere Lerngruppen. Aber beides ist nicht einfach so zu bekommen, ganz im Gegenteil: die Situation verschärft sich aufgrund steigenden Lehrkräftemangels und steigender Schülerzahlen.

Das sorgt für noch mehr Stress, Angst und Sorgen.

Am Ende geht jeder anders damit um!

Es gibt Menschen, die begegnen allen Herausforderungen mit Tatendrang und Lösungskompetenz. Sie stürzen sich freudig auf die Probleme und  entwickeln Ideen und Ansätze, wie es gehen kann. Sie blühen in stressigen Situationen sogar auf und sind froh, der langweiligen Routine entkommen zu können.

Doch die meisten Menschen lieben ihre Routine und sträuben sich gegen aufgedrängte oder notwendige Veränderungen. Einige reagieren aggressiv, sind missgelaunt und teilen verbal aus – bis hin zu Lehrkräften, die Schüler:innen „fertigmachen“. Auch das gibt es, auch wenn Viele darüber nicht öffentlich sprechen wollen.

Andere reagieren mit Rückzug und entziehen sich der ganzen Problematik, in dem sie sich in Routinen flüchten oder den Stress einfach auf die Schüler:innen übertragen. Dabei kommt dann oft Wochenend-Lernzeit heraus, kurzfristige Abgabetermine, unangekündigte Tests. Das löst Stress, Angst und Sorgen bei den Schüler:innen aus – und ist nicht pädagogisch wertvoll.

Wem der Stress in Schule zu viel wird, wer Burnout-Symptome hat, wird oft auch lange Zeit krankgeschrieben. Das entlastet die jeweilige Person, doch dadurch wird der Stress für den Rest des Kollegiums und die Schüler:innen noch viel stärker.

Es müssen unbedingt Lösungen entwickelt werden, welche Stress, Angst und Sorgen bei allen Beteiligten in Schule senken! Denn Fakt ist:

Stress, Angst und Sorgen machen Geist und Körper krank und ersticken Kreativität und Leistungsfähigkeit; sie nehmen uns Raum und Zeit für freie Persönlichkeitsentfaltung, Schulentwicklung und zielorientiertes, pädagogisch wertvolles Wirken.


Handlungsoptionen

Grundsätzlich gilt: Ursachen müssen behoben, anstatt Symptome gemildert werden. Unabhängig von Bürokratie-Abbau sind Ansätze und Ideen folgende:

Stress im Arbeitsumfeld und Kollegium senken:

  • Stärkt die Gemeinschaft! Setzt dafür auf kollegiale, teamorientierte Zusammenarbeit auf allen Ebenen in Augenhöhe > zwischen Schulleitung und Kollegium, ebenso mit Schüler:innen und Eltern; bindet auch Externe jederzeit, insbesondere in Krisenzeiten, ein.
  • Setzt Personal auf Zeit und externe Fachleute für besondere (IT-) und/oder einfache (Büro-) Aufgaben ein. Es gibt sie, sie sind keine Lehrkräfte, müssen es aber auch nicht sein.
  • Entwickelt gemeinsam Lösungen, anstatt nur Kritik üben.
  • Seid offen für Neues, Veränderungen & lebenslanges Lernen.
  • Handelt konsequent und sofort bei Mobbing und Ausgrenzung, sowohl unter Lehrkräften, wie unter Schülern > es gibt viele externe Anbieter, welche sogar kostenfrei Workshops und Projekttage dazu anbieten.
  • Managt Projekte und Vorhaben digital und strukturiert sie klar, erlernt dafür auch Projektmanagement-Methoden und gebt diese auch an Schüler:innen weiter.
  • Senkt die Anzahl der Touchpoints, vor allem im digitalen Umfeld (z.B. nur das LMS nutzen, nicht auch einen Messenger auf dem Smartphone) und mit klaren Regeln und Zeiten strukturieren; Telefonate vermeiden, da sie oft länger dauern als ein E-Mail-Austausch; etc.

Stress im Unterricht und bei Schüler:innen senken:

  • Dämmt Klassenzimmer; durch akustische Decken- und Wanddämmungen, Trennwände, Vorhänge, etc.
  • Ermöglicht regelmäßig Bewegungspausen im Unterricht
  • Werdet zum agilen Lernbegleiter, statt ein allwissender Dozent zu sein, der alles bis ins Detail vorbereitet hat.
  • Gestaltet Unterricht für eigenständige Schüler:innen, lockert dafür Lehrpläne und gebt mehr Zeit für freie Entfaltung.
  • Baut den Leistungsdruck bei Schüler:innen ab; durch vorausschauende Terminplanung, keine Wochenendarbeit, weniger inhaltliche Vorgaben, keine künstlichen Wettkämpfe um gute Noten.
  • Schützt hochsensible und krankheitsbedingt unkonzentrierte Schüler:innen (AD(H)S), Hochbegabte, etc.), B. durch das Tragen von schalldämmenden Kopfhörern und das Ermöglichen von Rückzug z.B. in gesonderte Räumlichkeiten.
  • Achtet auch auf Stress, Ängste und Sorgen der Eltern, diese kämpfen oft mit Arbeitsüberlastung und Existenzängsten, was sich auf ihren Stresspegel auswirkt und deren Kinder belastet.

Du hast weitere Ideen, welche Stress, Angst und Sorgen senkt? Sende sie uns gerne an: community-buch@sii-kids.de


Quellen:

Update! Es gibt eine neue Auflage unseres Community-Buches “Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule.” Unzählige weitere Beitragsideen liegen in der “Schublade”, aber zum (unentgeltlichen) Schreiben nebenbei muss halt auch die Zeit sein. Aktuell sind zwei Beiträge neu und zwar:

  • Stress, Angst und Sorgen im Schulalltag ab Seite 31
  • Arbeiterkind? Bildungsübergänge gestalten ab Seite 281

Wer diese Beiträge und weitere lesen möchte, kann sich das Community-Buch (geschrieben von 19 Autoren) kostenfrei als PDF herunterladen und zwar hier. Als E-Book ist es auf Amazon zum kleinen Preis verfügbar.


Kompletten Text “Stress, Angst und Sorgen im Schulalltag” online lesen – klicke hier.


Mehr zum Beitrag “Arbeiterkind? Bildungsgänge gestalten”:

Autorin des Beitrages ist Julia Munack. Sie schreibt ab Seite 291 darüber, wie Arbeiterkinder es dennoch schaffen können, zu studieren. Sie beleuchtet den Übergang von der Schule an die Hochschule, so dass dieser nicht als Bruch erlebt wird, sondern erfolgreich bewältigt werden kann. Wie kann die Verstärkung von bestehenden sozialen Ungleichheiten vermieden werden? Wie kann der Bildungsaufstieg von Arbeiterkindern unterstützt werden?


Über die Autorin:

Julia Munack ist seit Mai 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei ArbeiterKind.de. Als Pressereferentin ist es ihr ein Anliegen, die in Deutschland noch immer herrschende Bildungsungerechtigkeit zu thematisieren und dabei das unterstützende Angebot von ArbeiterKind.de gezielt zu platzieren.

Kontakt-Möglichkeiten:

E-Mail:                       munack@arbeiterkind.de
Website:                     www.arbeiterkind.de
Soziale Netzwerke:  LinkedIn

Digitalisierung? Lehrkräfte-Mangel? Schüler:innen aus der Ukraine? Wie können der Schulalltag, die digitale Transformation und nachhaltige Schulentwicklung realisiert, wie kann hochwertige, chancengerechte Bildung entsprechend Nachhaltigkeitsziel 4 in Schulen gewährleistet werden? Die Antwort liegt in SDG 17: (Bildungs-) Partnerschaften zur Erreichung der Ziele.

Autorin: Susanne Braun-Speck (Lizenz: CC-BY-SA 4.0) Auszug aus dem Community-Buch “Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule” (erschienen im August 2022 siehe Blogbeitrag).

Ohne externe Partner steht das Bildungssystem vor einem beinahe unlösbaren Personalproblem, wie im Laufe dieses Beitrages ersichtlich wird!

Am 29. Mai 2022 veröffentliche das Institut für Wirtschaft (* Quelle 1a), dass durch die ukrainischen Schüler:innen hochgerechnet zwischen 13.500 und 19.400 Lehrkräfte zusätzlich gebraucht werden, in Kitas ähnlich viele Betreuer. Zur Lösung dieses Personalproblems sollen einerseits Lehrkräfte aus dem Ruhestand zurückgeholt und andererseits ukrainische Lehrkräfte eingestellt werden. Wie viele Lehrpersonen geben ihren Ruhestand auf? Wie überwinden ukrainische Lehrkräfte die Sprachbarriere?

Das ist nur ein akutes Personalproblem. Doch Schulen stehen ständig vor neuen Herausforderungen und Aufgaben! Zum Beispiel sollen sie jetzt und in naher Zukunft…

  • Bildung für nachhaltige Entwicklung und Entrepreneurship (Gründergeist) Education inkludieren
  • das Pflichtfach Informatik einführen
  • und/oder Digitale Bildung nachhaltig in alle Fächer integrieren
  • dafür medienpädagogische Konzepte (weiter-) entwickeln
  • (mehr) digitale Endgeräte beschaffen und regelmäßig nutzen
  • fachübergreifende nachhaltige Schulentwicklung gestalten
  • Lehrkräfte-Fortbildungen und Schüler-Projekte durchführen
  • IT-Netzwerke betreuen & technischen Anwender-Support leisten
  • weiterhin mit sozialpädagogischen Herausforderungen kämpfen
  • Geflüchtete, aktuell aus der Ukraine, integrieren
  • und Vieles mehr

Wie sollen Schulen das realisieren? Trotz Lehrkräftemangel, welcher seit Jahren stetig steigt? Trotz viel zu wenig „Informatik“-Lehrkräften und Medienpädagogen?

Grafik: Susanne Braun-Speck

Aktuell und in den letzten Jahren gab es je Schule ein bis zwei Lehrkräfte, die als „Digitalisierungs-Experten“ gelten und zwei (manchmal mehr) bezahlte Zusatzstunden pro Woche haben, um als technische Ansprechpartner und Supporter zu agieren. Für alle Endgeräte-User an ihrer Schule mit beispielsweise 800 Schülern und 60 Lehrern. Wie sollen sie diese umfangreiche Zusatzaufgabe für so viele User in so kurzer Arbeitszeit bewältigen können? Erzählt wird auch von Schulen, wo die Schülertechnik-AG – auch oder insbesondere während des Unterrichts – IT-Support leisten und den Lehrkräften helfen. Wohin dieser Zustand in der Corona-Krise geführt hat? Jede Lehrkraft, alle Schüler:innen und ihre Eltern haben eine eigene Antwort darauf.

So oder so: Wer leitet und steuert IT- und Medien-Projekte in Schulen? Und schreibt ein Medienentwicklungskonzept mit IT-Knowhow? Wer beantwortet die vielen Fragen der Anwender? In oben genanntem Beispiel der 860 Anwender? Wer liefert Support vor Ort? Wer installiert neue Geräte, z.B. digitale Whiteboards?

Ein vergleichsweiser Blick in die Wirtschaft: In Unternehmen mit so vielen Mitarbeitern gäbe es eine ganze IT-Abteilung! Mit 20, 30 oder mehr IT-Fachkräften. Wie sollen Schulen das ohne vergleichsweise viele IT-Mitarbeiter schaffen? “Das Problem zu lösen, ist Aufgabe der jeweiligen Schule”, sagte Schleswig-Holsteins Digitalisierungs-Minister Jan Philip Albrecht, als ich ihm 2019 in Kiel diese Frage stellte. Es müssten halt Personal-Ressourcen dafür freigeschaufelt werden. Doch: Lehrkräfte sind dafür nicht ausgebildet, weswegen „Personal freischaufeln“ nicht die richtige Antwort sein kann.

IT-Fachkräfte könnten solche Aufgaben, die mittlerweile fast existenziell sind, übernehmen. Sie könnten “Digitalisierungs-Manager für Schulen”, „Medien-Coaches“ oder „Schul-Supporter“ sein.

Das Berufsprofil “Digitalisierungs-Manager für Schulen” hatte Braun-Speck, Autorin dieses Beitrages, bereits 2018 entwickelt und in Schleswig-Holstein wie auch in Berlin an manch einer Stelle vorgestellt (per E-Mail).

Doch der Digitalisierungs-Transformationswunsch und die IT-Lehrkräfte-Not waren offensichtlich nicht groß genug – jetzt, nach Corona, dürfte das anders sein. Sollte an dieser Stelle mehr über das Distanzlernen, über Homeschooling während der Corona-Pandemie geschrieben stehen? Über die flächendeckende untragbare, katastrophale Situation für alle am Schulsystem beteiligten? Ich lasse es, verweise aber auf einen Artikel, den ich mit Jugendlichen für unsere Schülerzeitung geschrieben hatte: Ausgebremst! Corona, Homeschooling & die Folgen für Ki/Ju. 5.

Nur auf ein Thema, von Vielen selbst erlebt, möchte ich hier eingehen. Während der Homeschooling-Zeit brach oft die Internetverbindung ab oder war grundlegend zu schwach; bei Online-Konferenzen hatten viele noch nicht einmal Ton – wie soll so digital kommuniziert werden? In meinen Lehrkräfte-Workshops hörte ich ständig von solchen Situationen. Manchmal fielen im Nachgang auch Beschwerden – ich hätte ja gesagt, das empfohlene Online-Konferenztool würde super funktionieren, täte es aber nicht. Doch. Denn die Ursache für die Probleme liegen woanders. Aber wo?

Spezialisierte IT-Experten hätten helfen können.

Netzwerk- und System-Administratoren in jedem Fall, aber auch Medien-Coaches und/oder IT-Berater hätten vermutlich gewusst, wie ich selbst auch: Am Online-Konferenztool selbst liegt es nicht. Ich selbst nutzte BigBlueButton, welches seit 2007 für die Bildungsbranche entwickelt wird. Es ist datenschutzkonform und bietet mehr integrierte Funktionen als ähnliche Tools: insbesondere ein digitales Whiteboard als Tafelersatz. Wenn meine Fortbildungs-Teilnehmer Zuhause waren und sich vor dort in die Onlinekurse einwählten, gab es nur vereinzelt Verbindungsprobleme – Zuhause hatten und haben sehr viele Teilnehmende eine stabile Internetverbindung. Doch nahmen die Lehrkräfte von ihrer Schule aus teil, war die Nutzung des browserbasierten Videokonferenztools am Computer oder Tablet manchmal völlig unmöglich. Einziger Ausweg: das eigene Handy benutzen, wobei aber Datenvolumen nötig ist und verbraucht wird. Selbiges wurde während des coronabedingten Distanz-Unterrichts erlebt, was das Homeschooling erheblich erschwerte, wenn nicht sogar unmöglich machte.

Was ist jeweils die tatsächliche Ursache für diese Verbindungsprobleme? Die übliche Antwort: Das liegt am Videokonferenztool! Das ist schuld! Aber: das ist falsch! Ja, die nicht-datenschutzkonformen APP-basierten Videokonferenz*-Tools (kurz: ViKo) funktionieren besser, als datenschutzkonforme Browserbasierte, aber grundlegend ist die Ursache woanders zu finden. Wer beruflich aus der IT- und Medienwelt kommt, würde fragen: Liegt es am (W)LAN der Schule? Am Landesserver? An den Endgeräten? Am Benutzer? An alten Kabeln oder falsch verlegten? An dem Server, auf dem das Videokonferenztool installiert ist? Gerade bei Bigbluebutton (kurz: BBB), welches u.a. auch in den Lern-Management-Systemen Moodle und iServ verwendet wird, war häufig das Problem, dass nur die Mindestkonfiguration* mit 4 CPU-Kernen und 8 GB Arbeitsspeicher pro BBB-Server eingerichtet war. Diese muss bei vielen ViKo-Nutzern aber deutlich höher sein. Umso mehr Nutzer, umso höher – aber wer weiß das schon? Wer sollte in Schulen herausfinden, was das Problem mit den Videokonferenzen ist, und wie das Problem behoben werden kann? Wer? Es gibt in den Schulen niemanden, der einschlägiges Knowhow und die Zeit für so etwas hätte. Niemand ist Netzwerk- und Systemadministrator (ein Ausbildungsberuf: Fachinformatiker:in Fachrichtung Systemintegration), Informatiker, Digitalisierungs-Manager oder IT-Berater. Letztere wissen sowas ggf. auch nicht, denn sie sind eher IT-Generalisten und keine spezialisierten Techniker oder Administratoren.

Deutlich wird auch: solche Tätigkeiten gehören nicht zum digitalen Lehren und Lernen dazu – die Aussage „Schulen brauchen Informatiker für digitale Bildung und digitale Transformation“ ist also nicht ganz richtig.


Tatsächlich gibt es mehr als 150 IT- und Medienberufe.

Für jeden dieser Berufe ist eine einschlägige Ausbildung oder Studium erforderlich – wobei Quereinstiege in der IT- sowie Medien-Branche durchaus üblich sind. Siehe Berufeglossar*4.

Entsprechend ist verwunderlich und ein Ding der Unmöglichkeit, dass Politik und Gesellschaft erwarten, dass Lehrkräfte das mal eben „nebenbei“ lernen und leisten. Dafür sind sie nicht ausgebildet. Nicht digital-affinen Lehrkräften darf entsprechend kein Vorwurf gemacht werden! Zwar ist auch bei Politikern mittlerweile die Botschaft angekommen, dass Schulen „IT- und Medienexperten“ und mehr Informatik-Lehrkräfte brauchen – aber: wann die kommen können und wo sie gefunden werden sollen, steht in den Sternen. Denn:

Es gibt zu wenig Informatik-Lehrkräfte, aber der Bedarf steigt. Und: IT- & Medien-Experten am Arbeitsmarkt fehlen auch!


Problem: Lehrkräftemangel, insbesondere im MINT-Umfeld

In Deutschland wird der Lehrkräfte- sowie Sonder- und Sozialpädagogen-Mangel immer größer. Zwar spricht die Kultusministerkonferenz (KMK) auch im März 2022 nur von einem Mangel von 2.700 Lehrkräften bis zum Jahr 2026. Danach rechnet sie in einigen Schulformen sogar mit einem Überangebot an Lehrkräften. Aber: Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat errechnet, dass im Jahr 2030 bis zu 155.000 Lehrkräfte fehlen könnten. In der Pressepräsentation vom 31.3.22 des VDE von Bildungsforscher Prof. i. R. Dr. Klaus Klemm (Universität Duisburg-Essen) steht u.a. geschrieben: „Dem von der KMK bis 2035 ermittelten Bedarf von 501.420 Lehrkräften steht nach Angaben der KMK bis dahin ein Angebot von 477.580 neu ausgebildeten Lehrkräften gegenüber, so dass 23.840 Lehrkräfte fehlen werden. Wenn das Neuangebot bis 2035, wie es Klemm ermittelt, dagegen nur bei 374.300 liegen wird, fehlen bis dahin dann 127.120 neu ausgebildete Lehrkräfte.“ *1c

Laut weiterer Tabellen von Prof. Klemm, basierend auf Erhebungen des Bundeslandes NRW, werden beispielsweise in NRW immer mehr MINT-Fachkräfte fehlen. Das I in MINT steht für Informatik und hier liegt die Bedarfsdeckungs-Quote in NRW im Jahr 2030/31 vermutlich bei nur 5,8 %.

Mit so unfassbar wenigen Fachlehrkräften wird digitale Bildung nicht gelingen können!

An dieser Stelle möchte ich lediglich tiefer auf den Informatik-Lehrkräftemangel eingehen, denn dieser hat unmittelbaren Einfluss darauf, ob überhaupt und wie nachhaltig unsere Schüler:innen auf ihre digitale Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet werden können.

In Schleswig-Holstein zum Beispiel gab es im Jahr 2019 lediglich 164 Informatik-Lehrkräfte für ALLE allgemeinbildenden Schulen (758 im Jahr 2020) sowie beruflichen Schulen (34 im Schuljahr 2019/20) zusammen also 792 Schulen (*2b). Der Abgeordnete Martin Habersaat (SPD) hatte beim Landtag eine entsprechende Anfrage gestellt, siehe Quellenangabe *2a

Laut Dreisatzrechnung sind das 0,2 Informatik-Lehrkräfte pro Schule gewesen?!

Für 290.000 Schüler:innen an allgemeinbildenden Schulen sowie 88.000 an Berufsschulen des Bundeslandes Schleswig-Holstein gab es so wenig?! Zwar soll es in 2022 bereits deutlich mehr Informatik-Lehrberechtigte geben, aber dazu dürften wohl auch die für Informatik-Unterricht neu zugelassenen Lehrkräfte mit entsprechenden Weiterbildungen gezählt worden sein.

Wer Informatik studieren möchte, tut dies immer seltener, um Lehrkraft zu werden. Das Arbeiten in der Wirtschaft ist viel attraktiver. Als Alternative werden Lehrkräfte anderer Fächer nun weitergebildet. In 2021 begann in SH zum Beispiel die Weiterbildung von 75 Lehrkräften im Fach Informatik. 200 weitere Lehrkräfte sollen infolge dafür qualifiziert werden. *2c In Wahrheit werden sie fachfremde Quereinsteiger sein und haben weder Informatik noch irgendetwas mit digitalen Medien studiert oder in einer Berufsausbildung gelernt. Hätten sie 10, 15, 20 oder mehr Jahre praktische Berufserfahrung als Quereinsteiger, wäre das ja in Ordnung. Denn Praxiserfahrung ist in einigen Berufen deutlich mehr wert als ein theoriegeprägtes Studium. Aber so eine Praxiserfahrung haben diese neuen IT-Lehrkräfte ja nicht.

Ob das zielführend ist? Können diese Peer2Peer ihre Kollegen:innen und Schüler:innen fit für ihre digitale Lebens- und Arbeitswelt machen? Aber so oder so wird die Anzahl der für Informatik-Unterricht zugelassenen Lehrkräfte nicht reichen! Und:


Wer vor 20 oder 30 Jahren Informatik auf Lehramt studierte, hat veraltete Kenntnisse.

Aufgrund der Altersverteilung der Lehrkräfte dürften rund 2/3 vor so langer Zeit studiert haben.

Damals wurde während des Studiums zum Beispiel Cobol- oder Assembler-Programmierung gelernt. Hiermit können sie Schüler:innen in den 2020er Jahren und später nicht die notwendigen digitalen Kenntnisse inklusive Medienkompetenz in all seinen Facetten mit Kommunikations-, Kollaborations-, Kreativitäts-Techniken, und den gesetzlichen Rahmenbedingungen, Datenschutz und jüngsten Themen wie Künstlicher Intelligenz vermitteln.

Als Referentin für digitale Bildung hatte ich (Susanne Braun-Speck) in den letzten Jahren auch immer wieder Informatik-Lehrkräfte in meinen Workshops. Zum Beispiel im WS „Digitale Projekte planen – egal ob Website, Schülerzeitungen oder Wiki“. Anfangs war ich besorgt, sagte: „Was machst Du hier? Du bist doch als Informatik-Lehrkraft bereits qualifiziert. Was soll ich Dir vermitteln können?“ Deren Einwand lautete immer so oder ähnlich: „Warte mal ab. In meinem Studium habe ich doch etwas ganz Anderes gelernt.“ Ich lernte: so ist es! Klassische Informatik ist für jegliches digitales Medium zwar die Basis, aber wie wir sie im Schulumfeld und Alltag verstehen und nutzen, hat damit wenig zu tun! Wer braucht dafür beispielsweise Datenbank- und APP-Programmier-Kenntnisse?

Aus diesem Grunde, und weil es circa 150 verschiedene IT- und Medienberufe gibt *6, und nicht nur „Informatiker“, müssen sowohl das neue Pflichtfach Informatik als auch der Lehrkräftebedarf neu gedacht werden.


Zudem: Auch IT- und Medienexperten können am Arbeitsmarkt nicht gefunden werden!

Selbst wenn die Politik bereits flächendeckend in allen Schulen IT- / Digitalisierungs- und/oder Medien-Experten vorsehen würde, sowie das Pflichtfach Informatik & digitale Medien eingeführt wäre:

Am IT-Arbeitsmarkt fehlen laut dem Branchenverband BITKOM circa 96.000 IT-Fachkräfte (Stand: Jan/Feb 2022, *6). Wie also sollen für die 41.101 (*7) allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland „IT-Fachkräfte“ gewonnen werden?

Grafik: Susanne Braun-Speck

Zitat von Bitkom: „Der sich verschärfende Mangel an IT-Spezialistinnen und -Spezialisten wächst sich zu einer ganz realen Bedrohung für Deutschlands große Transformationsaufgaben aus. Das Thema digitale Bildung gehört ganz oben auf die Prioritätenliste der Bundesregierung.“

An digitaler (Weiter-) Bildung arbeiten alle irgendwie, auch in Schule, auch in den Fortbildungs-Instituten der Länder. Doch: Für eine flächendeckende digitale Transformation brauchen wir viel, viel mehr Experten, auch oder insbesondere an Schulen, als wir haben. In einer Pressemitteilung des BMBF (*8a), von Bettina Stark-Watzinger und Karin Prien, vom 4.3.22 heißt es zur Beantragung von Mitteln aus dem Digitalpakt: „… sie verfügen oft nicht über ausreichendes und hinreichend qualifiziertes Personal, um zügig die Mittel beantragen zu können. Hier braucht es unkomplizierte Verfahren und eine Finanzierung externer Beratungskosten. … Weiterhin steht dort:

Im Digitalpakt waren 500 Millionen Euro zur Förderung von Administratoren geplant, die sich um die digitale Technik kümmern sollen. … Im Zusatzprogramm für Administratoren flossen aber bisher nur rund 11 Millionen.

Leider sind zum Beispiel in der Schleswig-Holsteinischen Digitalpakt-Richtlinie Honorare / externe Berater nicht Gegenstand der Förderung (Stand: 11/2020.). Wie hätten sie also abgerufen werden können? Im Digitalpakt des Bundes sind aber tatsächlich projektvorbereitende und –begleitende Beratungsleistungen externer Dienstleister vorgesehen, siehe Ziff. 3.2.4 DigitalPakt Schule 2019 bis 2024 *8c.

Das heißt: Es ist möglich! Freiberufliche IT-Administratoren und IT-Berater können als Honorarkräfte in Schulen arbeiten! Auch in anderen Tätigkeitsfeldern könnten Honorarkräfte und Projektanbieter eingesetzt werden.


Die Lösung: Temporärer Einsatz von Honorarkräften und externen Partner.

Nicht nur IT-Fachkräfte, sondern diverse freiberufliche Honorarkräfte und Projektanbieter sollten von Schulen, Schulträgern & Bildungsinstituten jederzeit, nach Bedarf, eingesetzt werden können – wie in Unternehmen seit Jahrzenten! Insbesondere (alle m/w/d):

  • IT- / Digitalisierungs-Begleiter
  • Referenten für Fortbildungen
  • Medienpädagogen / -Coaches als Unterrichtsbegleiter
  • DAZ- / DAF Lehrkräfte
  • LMS- & Web-Designer / Content-Manager
  • IT-System- & Netzwerktechniker
  • Anbieter von Schüler-Projekten insbesondere, aber nicht nur im MINT sowie BNE-Umfeld
  • und Weitere

Tatsächlich sind freiberufliche Honorarkräfte die Einzigen, die zu moderaten Honoraren wenigstens tage-, wochen- oder monatsweise bzw. projektweise helfen können. IT-Systemhäuser sind dagegen viel zu teuer! Normale Freiberufler (außer stark spezialisierte Nischen-Experten), kosten ähnlich viel wie Lehrkräfte inklusive aller Arbeitgeber- und Personalnebenkosten. Eine Lehrkraft kostet den Arbeitgeber pro effektive Arbeitsstunde im Durchschnitt 75 €/Stunde* – hierfür, zu zuzüglich Mehrwert-/Umsatzsteuer, sind auch Honorarkräfte buchbar! Und diese gibt es in jedem Ort, in jedem Bundesland. Vom einzelunternehmerischen Netzwerktechniker, freiberuflichen Medienexperten und -Dozenten, Webdesignern und Content-Entwicklern. Alle werden in Zukunft in Schulen gebraucht!

*Nicht von allen Bundesländern sind Personalkostentabellen im Internet verfügbar. Ich stellte meinen Honorar-Gehalts-Vergleich mit Zahlen aus Schleswig-Holstein her, siehe Quellen-Angabe 9 oder direkt hier, auf meiner Website.

Insbesondere, aber nicht nur für IT- und Medien-Support sowie bei einmaligen Vorhaben, Schulentwicklungstagen und Schülerprojektwochen sowie als Lernbegleiter im Unterricht könnten freiberufliche Honorarkräfte und Projektanbieter in Schulen arbeiten. Braun-Speck nennt sie: “Consultants for digital and sustainable Education.”

Diese könnten als medienpädagogische Lernbegleiter und Coaches Schulen unterstützen; dort und fernmündlich mit Rat und Tat (Support) helfen; auch Workshops und Fortbildungen geben, etc. Sie könnten die Aufgaben übernehmen, für die weder Lehrkräfte noch andere Mitarbeiter in Schulen ausgebildet worden oder verfügbar sind. Zunächst stunden- oder tageweise, zeitlich begrenzt – entsprechend des Bedarfs. Zudem sollte es schuleigene Digitalisierungs-Manager auf Dauer geben und so für nachhaltige digitale Bildung sorgen können. Um das realisieren zu können, brauchen Schulen im Grunde genommen nur einen “Topf”, sprich finanzielle Mittel, mit denen sie Freiberufler-Honorare und Schulprojektanbieter bezahlen könnten. Möglicherweise aus den Vertretungsfonds? Dem neuen Digitalpakt? Die finanziellen Mittel müssen die Länder dafür bereitstellen.

Auf jeden Fall kann eine nachhaltige Entwicklung von Schule in Bezug auf die digitale Transformation, laut vieler öffentlicher Stimmen, nur gemeinsam gelingen. Bildungssystem und Wirtschaft müssen hier eng zusammenwirken!

Freiberufliche Honorarkräfte und Projektanbieter aus der Wirtschaft und dem gemeinnützigen Non-Profit-Umfeld sind für Schulen eine sinn-, mach- und verfügbare sowie finanzierbare Ressource.

Bevor wir diesen Beitrag im Buch schließen, noch eine Ausführung, die sein muss:

Die Politik spricht ständig von „Informatikern“ – aber diese sind keine Medienexperten!

Es wird im Bildungssystems ständig von Informatik-Unterricht / -Pflichtfach und den Informatik-Lehrkräften gesprochen – doch: Tatsächlich müssen Lehrkräfte wie auch die meisten Schüler:innen (außer solche, die einen entsprechenden Beruf ergreifen möchten) niemals Aufgaben von Informatikern ausführen können. Denn Informatiker:innen beschäftigen sich überwiegend mit der Entwicklung von Anwendungen (PC-Software, Web- und Smartphone-Anwendungen), Hardware (-nahe) Programmierung und Systemlösungen, sowie mit Künstlicher Intelligenz, Maschinen-Programmierung, etc. Weiterhin beschäftigen sich Techniker / IT-Administratoren (nicht Informatiker) zum Beispiel mit der Installation und Administration von Netzwerken, Servern, Computern sowie Telefon- und Funkanlagen, hier in einer Client-Server-Umgebung.

Deutlich wird erneut: solche Tätigkeiten gehören nicht zum digitalen Lehren und Lernen dazu – die Aussage „Schulen brauchen Informatiker für digitale Bildung und digitale Transformation“ ist also nicht ganz richtig.

„Programmiert“ werden muss dafür in Schule selbst eigentlich nichts; IT-Administratoren für die hausinterne Client-Server-Umgebung und Anwendersupport werden gebraucht. Aber Lehrkräfte und Schüler selbst benötigen in einer digitalen Welt „nur“ ganzheitliche, weitgreifende Anwender-Kenntnisse.

In der elektronischen Datenverarbeitung (kurz: EDV) steht der Ausdruck “Anwender / User / Benutzer” übrigens für eine Person, die einen Computer, eine APP, ein Online-Portal oder andere digitale Medien benutzt. Zukünftig werden sowohl in Schulen, wie auch in fast allen anderen Lebens- und Berufsbereichen solche digitalen Anwender-Kenntnisse benötigt. Diese sollen digital kommunizieren können (das beherrscht jede Chefsekretärin, jede Bürokauffrau). Sie sollen zudem digitale Texte schreiben, digitale Videos und Podcasts (Audios) erstellen und/oder nutzen – und das ist digitaler Content! Solch ein digitaler Content wird teilweise von Webdesignern, in jedem Fall von Content-Managern /-Entwicklern, Online-Journalisten, Video-Producern oder, oder, oder erstellt. Medienpädagogen können das auch, aber klassische Informatiker können das nicht!

Auch die Lerninhalte in Lern-Management-Systemen (kurz: LMS) sind Content. LMS basieren auf Content-Management-Systemen – sie sind technisch das Gleiche. Das bedeutet: Webdesigner und Content-Entwickler, etc. können Lern-Management-Systeme betreuen, Lehrkräfte und Schüler:innen in der Nutzung und Produktion von Lehr- und Lern-Inhalten unterstützen oder selbst die Lerninhalte (Content) dafür produzieren.

Aus Sicht der Künstlersozialkasse* sind zuvor genannte Berufsbilder übrigens künstlerische Berufe im digitalen Kontext. Solche Künstler sind keine Informatiker!

Abschließend: Einerseits ist kaum möglich, die digitale Transformation so zu realisieren, wie die Politik es sich derzeit vorstellt. Andererseits ist es möglich: durch den Einsatz von freiberuflichen Honorarkräften aus verschiedenen Berufsfeldern (nicht nur aus der Informatik), was die Möglichkeiten vervielfältigt!

Auf den letzten Buchseiten stellen sich die Autoren vor, welche teilweise Lehrkräfte und Pädagogen, teilweise freiberufliche Honorarkräfte sind.


Kontakt zur Autorin: s.braun-speck@tiefenschaerfe.de oder s.braun-speck@sii-kids.de

*Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) und die vom Gesetzgeber mit der Umsetzung dieses Gesetzes beauftragte Künstlersozialkasse (KSK) sorgen dafür, dass selbständige Künstler und Publizisten einen ähnlichen Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung genießen wie Arbeitnehmer. Siehe: https://www.kuenstlersozialkasse.de/

Quellen: siehe Buch oder auf Anfrage

 

Lisa* ist mittlerweile 14 Jahre alt, hat bereits einige Psychiatrie-Aufenthalte hinter sich, aber die Therapieversuche sind fehlgeschlagen. Sie ist magersüchtig und fügt sich häufig selbst Verletzungen zu. Dabei war sie früher ein sehr neugieriges, aufgewecktes und fröhliches Mädchen gewesen – was ist bloß passiert? Wie können Lehrkräfte ihr helfen?

So beginnt der Community-Buchbeitrag von Alice Moustier. Darin schreibt sie auch von Marianna. Diese war höchst erfolgreich und setzte trotzdem ihrem Leben ein Ende – im Jahr 2022. Seit ihrer Jugendzeit hatte sie mit Depressionen zu kämpfen.

Ihre Geschichte soll daran erinnern, dass wir, dass die Gesellschaft und Schule sie nicht vergessen dürfen und ihre Probleme erkennen und sehen müssen: denen von hochbegabten Kindern & Jugendlichen. Für diese wurde unser Verein, der sii-kids & -talents e.V. mal gegründet.


Wer den Beitrag lesen möchte, findet ihn ab Seite 166 in unserem Community-Buch “Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule”. Der Download im PDF-Format ist hier kostenfrei möglich.


Autoren-Vorstellung:

Moustier, Alice

Autorin, Coach und Rednerin zum Thema Hochbegabung wohnhaft in Schleswig-Holstein und auf Zypern

Alice ist Talente-Gärtnerin und gießt Talente, damit sie besser blühen, wachsen und gedeihen. Zum Thema Motivation und Talentmanagement berät sie Schulen und Unternehmen, wie sie Andersdenkende (insbesondere sehr sensible und begabte Menschen) erkennen und erfolgreich einsetzen können. Einschneidende Erlebnisse haben ihr geholfen, neue Wege zu gehen, einen anderen Blick einzunehmen und Herausforderungen anzunehmen.

Als Lehrerin begann sie 2013 an einer Hochbegabtenschule zu arbeiten und machte sich daraufhin in diesem Bereich selbstständig. Als Mediatorin (Konfliktmanagement) liebt sie es, den Menschen einen neuen Blick auf ihre Situation zu geben.

Alice ist aktives Mitglied bei MIND, Mensa in Deutschland.

 

Kontakt-Möglichkeiten:

E-Mail:                               alice.moustier@gmail.com

Website:                            wahnsinnigintelligent.de

Soziale Netzwerke:         LinkedIn, XING, Youtube

Eine Online-Schülerzeitung (kurz: Online-SZ) ermöglicht Digitale sowie Demokratie-Bildung, Begabungsförderung sowie Entrepreneurship Education. Damit können Schulen ihren Bildungsauftrag noch nachhaltiger erfüllen. Zudem macht die Gründung des „Unternehmens“ Schülerzeitung Spaß, ermöglicht die Teilnahme an Wettbewerben und dient als „Aushängeschild“ dem Image der Schule.

In dem Community-Buchbeitrag zu diesem Thema geht es um:

  • kreatives Unternehmertum
  • digitale Bildung,
  • das Pilotprojekt erKant.de
  • Möglichkeiten der Implementierung im Schulalltag
  • Technik und Kosten von Online-SZ´s
  • erste Schritte und Aufgaben
  • kreativitäts- und Begabungs-Förderung sowie
  • Workshops für Lehrkräfte und SuS

Wer den Beitrag lesen möchte, findet ihn ab Seite 134 in unserem Community-Buch “Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule”. Der Download im PDF-Format ist hier kostenfrei möglich.


Für Lehrkräfte und Schüler:innen, welche derzeit Interesse daran haben, an kostenfreien Workshops teilzunehmen, bei einem Schülerzeitungswettbewerb, etc. dabei zu sein, für die ist die Event-Liste des Vereins (auch Herausgeber des Buches) interessant. Denn aktuell hat dieser ein vom D-S-E-E gefördertes Projekt für und mit Schülerzeitungen am laufen!


Autoren-Vorstellung:

Susanne Braun-Speck

Referentin für digitale Bildung, Content-Managerin & Webdesignerin, Autorin, Vereinsvorstand in SH

Seit 1996 bewegt Susanne sich in der IT- & Medien-Branche, seit 2011 im Schulumfeld, und bringt eine große Bandbreite an Erfahrungen mit. 20 Jahre lang war sie selbständige IT-Personalvermittlerin und Franchise-Geberin mit ehemals größerer Firma (9 Franchise-Niederlassungen). Heute ist sie:

  • freie Referentin für digitale Bildung (Lehrkräfte-FoBi und Schüler-WS)
  • Marketing-Beraterin mit Schwerpunkt Webdesign & Content-Management
  • Vereinsvorsitzende vom sii-kids & -talents e.V. – zwei ihrer Projekte erhielten den Preis „Projekt N“ (N wie Nachhaltigkeit) von RENN / RNE, das in 2020 und 2021
  • nebenberufliche Fachjournalistin, Initiator & Coach der Online-Schülerzeitung erKant.de (2018 und 2020 die beste Online-SZ von D)

Ein Stück weit versteht sie sich als „Schnittstelle“ zwischen den Welten „Bildungssystem und „digitale Wirtschaft“. Ihre Workshops und Fortbildungen drehen sich um Inhalte zu zuvor ausgezeichneten Projekten, also um Online-Schülerzeitungen und andere digitale Themen. Mehr dazu auf: media4schools.de (Betreiber ist sii-kids.de)

Kontakt-Möglichkeiten:

E-Mail:                               s.braun-speck@tiefenschaerfe.de oder s.braun-speck@sii-kids.de
Website:                            tiefenschaerfe.de sowie sii-kids.de
Telefon:                             +49 172-4332277
Soziale Netzwerke:         LinkedIn, XING, Twitter @SBraunSpeck

Der Online-Schülerzeitungs-Beitrag beginnt auf Seite 134!

     

    Mit dem Beitrag “Fach- und Honorarkräfte für eine nachhaltige Schulentwicklung” ab Seite 31.

      Unsere Commmunity-Buch-Autorinnen Dr. Johanna Pareigis und Antje Smorra werden im Rahmen von “TatenFürMorgen” von RNE (Rat für nachhaltige Entwicklung) am 19.9. ab 16.15 Uhr eine Autoren-Sprechstunden abhalten. Thema: “Bildung durchlüften – Lernen im Freien, Draußen-Schule und Kulturelle Bildung”. Zur Anmeldung dafür geht es hier – Link.

      In unserem Buch “Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule” hat Johanna u.a. dargelegt, warum bei Projekten im Freien besonders gut hochwertige Bildung (Ziel 4) sowie Wohlergehen und Gesundheit (Ziel 3) gefördert werden können. Es ist ihr und ihrer Projekt- sowie Interview- Partnerin wichtig, in den Blick zu nehmen, in welcher Weise dieses Draußen-Lernen – gerade in Verbindung mit dem Lernen durch Engagement – zu einer begabungsfördernden Unterrichts- und Schulkultur bzw. Schulentwicklung beiträgt. Dieser Beitrag ist im Buch ab Seite 269 zu lesen (PDF-Download).

      Antje schrieb darüber, was kulturelle Bildung alles kann. Sie ging unter Anderem auf folgende Fragen ein: “Wo bleiben unsere kreativen Potentiale, die in anderen Bahnen denken, wirken, fühlen und tasten?” Und: “Was passiert hier für die Entwicklung von Unterricht an Schulen?” Ihr Beitrag ist im Buch ab Seite 214 zu lesen (PDF-Download).

       

       

       

      Wir freuen uns über jede:r echte Leser:in unseres Buches!

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