Legasthenie kann jeden treffen – auch Hochintelligente

Eltern von 4.-Klässlern bekommen zurzeit Formschreiben der Schulen bezüglich Lese-Rechtschreib-Schwächen (Legasthenie). Das Ministerium für Bildung und Frauen hat erlassen, dass Schüler der vierten Klassen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche gefördert werden müssen. Schritt 1 dafür ist die Testung mit dem Intelligenztest “CFT 20-R” und dem Rechtschreibtest “DRT 4”. Was spricht dafür und was dagegen?

Zu dem IQ-Test “CFT 20-R” erläutern wir:

Der CFT 20-R wird im Altersbereich von 8;5 bis 19;11 Jahren und bei Erwachsenen von 20 bis 60 Jahren angewendet. Er ist ein Intelligenztest, der …

  • im 1. Teil, unabhängig von Sprachkenntnissen, die fluide (flüssige) Intelligenz misst. Diese bezeichnet die Fähigkeit, unbekannte Probleme zu lösen und sich neuen Situationen anzupassen, ohne dass dabei auf besonderes Wissen zurückgegriffen werden muss. Diese Fähigkeit entspricht am ehesten dem “logisch-schlussfolgernden Denkvermögen” oder dem, was man mit “allgemeiner Intelligenz” bezeichnet.
  • Zusätzlich hat man die Möglichkeit, mit dem “Wortschatztest (WS)” und “Zahlenfolgetest (ZF-R)” die sogenannte “kristalline Intelligenz” zu erfassen. Damit wird die Fähigkeit bezeichnet, erworbenes Wissen und Strategien auf Problemlösungen anzuwenden.

Sein Vorteil: Der Culture Fair Intelligence Test (CFIT) ist ein Intelligenztest, bei dem Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und sozialen Schichten innerhalb von Gesellschaften eine Chancengleichheit besitzen sollen. Dies dadurch, dass Sprache an sich und Kulturtechniken wie Lesen oder Mathematik keine Rolle  bei der Bearbeitung des Tests spielen!

Nachteile:

  • Erfolgt der Test in Gruppen (häufig in Schulen) können Kinder mit Konzentrationsproblemen oder hochsensitive Kinder, die sich schnell ablenken lassen oder ängstlich und unsicher sind, schlechter abschneiden, als es ihren tatsächlichen Fähigkeiten entspricht.
  • Eine Hochbegabung kann mit der alleinigen Durchführung eines CFT 20-R weder sicher erkannt noch ausgeschlossen werden. Studien haben schon in den 70er Jahren ergeben, dass 50% der Hochbegabten bei der alleinigen Durchführung eines Gruppentests nicht (!) erkannt werden (vgl z. B. Whieler, 1979), da die Testumstände eine große Rolle spielen.
  • Bei Kindern mit visuell-räumlichen Beeinträchtigungen (Augenproblemen) kommt es häufig zu verfälschten Ergebnissen im Sinne einer Unterschätzung des Kindes
  • Tests, wie der CFT, die allein die fluide Intelligenz erfassen, können keine sichere Vorhersage mathematischer oder sprachlicher oder anderer Leistungen treffen.

Empfehlung von Dr. Karin Joder (Kiel): Seien Sie generell wachsam, wenn Sie das Testergebnis eines CFT 20-R haben und seien Sie skeptisch, wenn damit eine Hochbegabung ausgeschlossen werden soll, denn ein CFT 20-R allein ersetzt keine fundierte Begabungsdiagnostik!

Hinweis der Autorin: Legasthenie kann jeden treffen – auch Hochintelligente! Autor: Susanne Braun-Speck. Vorsitzende von www.sii-kids.de (Verein, der hochbegabte und kreative Kinder im Kreis Stormarn unterstützt)

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Quellen:



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