Ist das so? Kann es sein, dass Hochbegabte anders denken und empfinden? Der eine Betroffene mag sagen, ja, tatsächlich. Der andere meint vielleicht: `Ach was, die kommen genauso gut klar im Leben.‘
Fakt ist: Viele hochbegabte Kinder und Erwachsene kommen im Alltag schwerer zurecht, da sie ihre Bedürfnisse nicht stillen und den Anforderungen der Gesellschaft, der Schule, Arbeitgebern, nicht gerecht werden können. Warum ist das so?

Die Maslow’sche Bedürfnispyramide* zeigt auf, wie sich die menschlichen Bedürfnisse aufbauen. Stufenweise. Zuunterst liegen die Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen, etc. – diese werden in unseren Breitengraden überwiegend gestillt.


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Es folgt Bedürfnisstufe 2: Hier geht es um Ordnung, Struktur, Angstfreiheit, etc. ; in Stufe 3 geht es um Gruppenzugehörigkeit, Kommunikation, etc – aber bereits diese Bedürfnisse können oft nicht gestillt werden. Warum? Einige kurze Beispiele:

Hochbegabte Kinder sind oft auch hochsensibel und nehmen entsprechend mit allen Sinnen überdurchschnittlich stark ihre Umgebung wahr. Dadurch leiden sie ständig an Reizüberflutung und lassen sich leicht ablenken – im Unterricht führt das zu Unaufmerksamkeit und Stress, dadurch entstehen u.a. „Bildungslücken“ und somit nur mittelprächtige Noten.

Schon viele Kinder sprechen kompliziert oder nur über ihr Lieblingsthema – die anderen verstehen sie nicht. Es hapert an Kommunikation auf gleicher Wellenlänge.

Auch fühlen sich hochbegabte Schüler z.B. in großen Gruppen, u.a. im normalen Schul-Chaos, unwohl; ziehen sich entsprechend zurück, stehen irgendwo mit dem Rücken zur Wand, fühlen sich “überrannt” und unwohl in der Masse tobender Kinder – sie empfinden sich nicht nur als einsam, sie werden es auch, weil sie sich zurückziehen, hyperaktiv oder aggressiv reagieren.

Aus solchen und anderen Gründen erreichen Hochbegabte oft noch nicht einmal die Stufe 2 und 3 der Bedürfnis-Pyramide!

Und da oft wegen ihres „Fehlverhaltens“ kritisiert, falsch eingeschätzt und in der Gruppe (z.B. Klasse) nicht als „Einer der ihren“ akzeptiert, werden ihre Bedürfnisse nach Stufe 4 (Anerkennung, positive Beachtung, etc) ebenfalls nicht befriedigt.

Dennoch erwartet die Gesellschaft von solch hochbegabten Menschen, dass sie ganz selbstverständlich auch hochLEISTEN. Aber das können sie unter solchen Bedingungen nicht!

Die Stufen der Maslow’schen Bedürfnispyramide* müssen Stufe für Stufe erkommen werden – nur wenige schaffen es, die Bedürfnissenstufen 2-4 zu überspringen und dennoch Höchstleistungen in Schule, Beruf, etc zu erbringen.

Diese hochbegabten Höchstleister sind oft auch die, die sich wenig im Alltag zurechtfinden und auffallend anders sind. Üblicherweise werden sie wenigstens von Anderen als Hochbegabt erkannt und gewissermaßen akzeptiert.

Aber viele Andere – infolge NICHT als hochbegabt erkannt – versuchen, sich dem Umfeld so sehr anzupassen, dass alle Bedürfnisse irgendwie Futter bekommen. Sie möchten so sein wie die Klassenkameraden oder die Sportkollegen oder oder oder … Manchmal klappt es. Manchmal auch nicht. Die Frage ist. Was passiert mit den angeborenen Fähigkeiten, wenn die Anpassung überhand nimmt? Können sich Talente weiterentwickeln oder legen sie sich zur Ruhe, da ungenutzt?

Dabei könnte es einfacher sein. Wenn sich das Umfeld ein wenig entspannt; lebendige, selbstbestimmte Lernkulturen ihnen freie Entfaltung ermöglicht; wenn Noten nicht allein darüber entscheiden, wer „gut“ ist und Aufsteigen darf. Wenn die Gesellschaft akzeptiert, dass nicht alle gleich sein müssen, sondern Individualität etwas Spannendes ist.

Die sii-kids-Initiative versucht, z.B. durch Aufklärung, etwas zu verändern.

Ergänzend zu diesem Bericht können Sie auf dieser Plattform auch etwas zum Thema “Hirnforschung“ lesen.

* Diese Bedürfnispyramide beruht auf dem 1943 veröffentlichen Modell des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow, um die (Selbst-) Motivationen von Menschen zu beschreiben.

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