Dass gute Schulnoten und Intelligenz nicht unbedingt zusammengehören, wird breitflächig diskutiert. Es gibt Kinder, die sich rein durch Fleiß sehr gute Noten verdienen und es gibt andere, deren Intelligenzquotient weit über dem Normalen liegt, die aber trotzdem in der Schule schlecht abschneiden. Diese werden “underachiever” genannt.

Häufung männlicher Underachiever

Sucht man nach einer Definition für Underachievement, so findet man gewisse Abweichungen. In einem aber ist sich die Fachwelt einig: Sogenannte Underachiever leisten nicht das, was eigentlich aufgrund ihres IQ erwarten wird. Noch schlimmer: Sie sind sogar oft so schlecht in der Schule, sodass sie das Klassenziel nicht erreichen. Hinzu kommt, dass die “Minderleister” häufig ein psychisch auffälliges Verhalten zeigen und damit schnell in eine bestimmte Schublade gesteckt werden. Da verwundert es nicht, dass der Prozentsatz von “erkannten” Underachievern bei den Jungs höher liegt als bei den Mädchen. Sie zeigen häufig auffälligeres Verhalten und werden damit eher einem Schulpsychologen vorgestellt, der, mit ein bisschen Glück, die eigentliche Ursache herausfindet.

Ein Underachiever steht sich selbst im Weg

Das soziale Verhalten von Underachievern gilt als nicht besonders ausgeprägt. Manche grenzen sich auch ganz bewusst von anderen Kindern und Jugendlichen ab, zeigen eine negative Einstellung gegenüber der Schule und ein ineffektives Arbeitsverhalten. Ganz typisch scheint eine geringe seelische Stabilität zu sein; das Kind sieht sich selbst in einem schlechten Licht und hat kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Es steht sich sozusagen selbst im Weg und glaubt nicht, seine Leistung positiv beeinflussen zu können. Doch den Underachiever an sich, den gibt es nicht, da sind sich die Fachleute einig. Also gibt es auch keine Standardlösungen für das Problem. Jeder betroffene Schüler muss als Einzelfall betrachtet und entsprechend unterstützt werden.

Problem betrifft etwa ein Zehntel aller Hochbegabten

Dass ein Großteil aller Hochbegabten zu den Underachievern zählt, ist ein Vorurteil. Das hat die sogenannte Rost-Studie, auch Marburger Hochbegabtenprojekt genannt, ergeben. Der Psychologie-Professor Detlef H. Rost und seine Kollegen gehen davon aus, dass sich unter den Hochbegabten etwa zehn bis 15 Prozent befinden, die dem Underachievement zugeordnet werden müssen. Das heißt, die Leistungen dieser Menschen lassen in keiner Weise auf eine Hochbegabung schließen. Zugegeben: Bei der oft auftretenden Symptomatik auf einen hochbegabten Menschen zu schließen, ist auch nicht das erste, was einem einfällt. Bei dem Problemschüler wird nur selten ein besonders hoher IQ vermutet. Allerdings sollten Lehrkräfte beziehungsweise Schulpsychologen bei einem auffälligen Kind immer auch diese Möglichkeit in Betracht ziehen und so vermeiden, dass ein möglicherweise hochbegabtes Kind letztendlich dann noch in einer Schulform landet, die ihm nicht entspricht. Und somit sein Lebensweg eine völlig falsche Wendung nimmt.

Lesen Sie bitte hier weiter (auf T-Online = Quelle).

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