Jedes Kind anders ist. Auch Kinder mit besonderen Begabungen sind völlig unterschiedlich. Entsprechend ist die Schulwahl immer eine individuelle Wahl. Schubladen-Denken wäre falsch. Wonach können sich Eltern mit ihren Kindern richten? Was ist wichtig? Worauf sollten sie achten?

(In kürze folgt ein Special zu Schulen im Kreis Stormarn, die Hochbegabte fördern).

Internetseiten von Schulen sehen heutzutage meistens perfekt aus und der Text klingt in der Regel vielversprechend. Doch: Flyer, Websites und Co sind schlussendlich Informations- und Werbemittel. Von daher sollte man doch hinter die Kulissen schauen!

Die Frage nach der Schulart (Gesamtschule oder Gymnasium):

Definitionen:

  • Integrierte Gesamtschulen sind oft Ganztagsschulen und müssen stark binnendifferenziert sein, sprich individueller Lehren innerhalb eines Klassenverbandes. Es gibt sogenannte Förder-, Grund- und Erweiterungskurse, die nach Fähigkeiten bzw. Schwächen belegt werden können. Es besteht die Möglichkeit, alle Abschlüsse zu machen (Haupt- + Realschulabschluss, Abi).
  • Gymnasien sind stärker leistungsorientiert, setzen auf Theorie und ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Fleiß voraus. Es kann nur das Abitur (allgemeine Hochschulreife) abgelegt werden. Es gibt eine Unter- (Sek. I) und eine Mittelstufe (Sek. II) sowie die Oberstufe, in der der Klassenverband aufgelöst und nur noch in Kursen unterrichtet wird.

Nun zu den Auswahlkriterien: Selbst wenn ein Kind hochbegabt ist, könnte es schlechte Noten abliefern oder zu verspielt sein oder nicht selbstständig Lernen, viel zu lange für die Hausaufgaben brauchen, etc.


Ist Ihr Kind fleißig und liefert sehr gute Noten ab (ist nicht nur HochBEGABT sondern auch HochLEISTEND) ist die Wahl leicht: Es wird vermutlich auf einem Gymnasium gut zurechtkommen, sofern dieses Gymnasium nach unten genannten Kriterien den Fähigkeiten des jeweiligen Kindes entspricht. Sollte das betreffende Kind aber …

  • z. B. aus oben genannten Gründen Underachiever
  • oder besonders gut in einer Fachrichtung sein
  • einseitig begabt (d.h. es hat Teilleistungsstörungen (kann z.B. gut Mathe, hat aber eine Lese-Rechtschreib-Schwäche)
  • oder z.B. ein motorischer Lerntyp sein

Dann sollten Sie einen Blick mehr auf die folgende Liste werfen, um die richtige Schule für Ihr Kind zu finden:

  • Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt die Schule (z.B. Sport, Sprachen, Naturwissenschaften, etc)?
    • Passen diese Schwerpunkte zu den Interessen und/oder Fähigkeiten meines Kindes?
  • Gibt es einheitliches pädagogisches Konzept?
  • Wie ist die Stimmung / das Klima? Freundlich, offen und entspannt?
  • Was sagt Ihr Bauchgefühl, Ihre Intuition? Passt der Lerntyp meines Kindes zum Unterrichtskonzept?
  • Welche Lehr-/Unterrichts-Methoden werden angewendet (Frontalunterricht (lehrerzentriert) oder schülerzentriertes, selbstbestimmtes und/oder ganzheitliches Lernen, handlungsorientiertes bzw. forschend-entwickelndes Lernen, Planspiele, Gruppen- und Projektarbeit, offener Unterricht, Freie Arbeit, Werkstätten)?
    • Passen diese zu meinem Kind? Seinem Lerntyp?

Speziell bei Hochbegabten interessant:

  • Herrscht in der Schule ein begabungsfreundliches Klima? Wie stehen Lehrer und Schulleitung dem Thema gegenüber? Abwehrend oder offen und hilfsbereit?
  • Welche Maßnahmen ergreift die Schule, um Hochbegabte zu finden und zu fördern?
    • Ist Klassenüberspringen möglich (Akzeleration)?
    • Wird Teil-Akzeleration angeboten (Drehtürmodell = teilweises Lernen in der nächsthöheren Klassenstufe)?
    • Gibt es Forder- und/oder Enrichment-Angebote  wie naturwissenschaftliche AGs, Sprachen etc.?
  • Underachievement – Ist das Problem bekannt und wird entsprechend darauf reagiert?
  • Hier besonders wichtig: WIE wird gelehrt bzw. gelernt (siehe auch Lerntypen)? Selbstbestimmt, offen, ganzheitlich, forschend + entwickelnd?
  • Gibt es ausreichend Spielraum zur Selbstverwirklichung? Zeit und Raum für (selbstbestimmte) vertiefende Arbeit?
  • Werden besondere Kinder als solche angenommen oder sollen alle auf Mittelmaß „gestutzt‘“ werden?
  • Trägt die Schule z. B. ein Siegel wie „ShiB“ (Schule inklusive Begabtenförderung (in Schleswig-Holstein) oder ist eine Stützpunktschule im Rahmen eines Enrichmentprogramms?
  • Gibt es speziell ausgebildete Lehrer für Hochbegabtenförderung?

Für alle Kinder wichtig:

  • Welche zusätzlichen Angebote gibt es, wie z. B.: Schüleraustausch, Kooperationen mit Wirtschaft/Universität, etc.?
  • Welches Fortbildungsprogramm gibt es für das Kollegium?
  • Unterrichtsorganisation: Wann beginnt der Unterricht, gibt es Blockstunden? Wie viel Nachmittagsunterricht gibt es und welche Fächer werden am Nachmittag unterrichtet?
  • Wird an die Grundbedürfnisse gedacht?
    • Sind die Pausen ausreichend lang, wird für Erholungsphasen mit Rückzugsort gesorgt?
    • Gibt es eine Mensa/Mittagessen?
    • Sind vor allem die Sanitären Anlage sauber?
    • Werden die Schultage abwechslungsreich gestaltet? Gibt es ruhige Lernzeiten und z.B. Lernen-in-Bewegung? Projektwochen? Wird mit Methoden gearbeitet, die dem Lerntyp meines Kindes entsprechen?

Alles bedacht? Auch wenn Sie mit bestem Wissen und Gewissen meinen, die richtige Wahl mit und für Ihr Kind getroffen zu haben, kann alles ganz anders kommen. Zum Beispiel können die besonderen Fähigkeiten Ihres Kindes bis zum heutigen Tage nicht entdeckt worden sein oder sich einfach erst später entwickeln … Bleiben Sie gelassen, liebe Eltern, Sie haben sicherlich Ihr möglichstes getan!

Quellen:


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